Erfahrungsbericht der ersten Durchführung im Juni 2026
Was vor bald zehn Jahren als Faszination für die Weite des hohen Nordens begann, nahm Ende 2024 mit dem Kauf meines kleinen roten Hauses in Abborrträsk – etwas über 100 Kilometer südlich des Polarkreises – feste Formen an. Es ist für mich ein Symbol dafür, Träume nicht auf irgendwann zu verschieben, sondern im Jetzt zu leben. Mein persönlicher Rückzugsort in Schwedisch-Lappland, an dem ich vollkommen in die Natur eintauchen kann.
Aus diesem Impuls heraus entstand das Projekt Destination Norden: Kleine Gruppen von maximal drei Teilnehmern, gemeinsames Kochen und Wohnen als Abenteuer-WG, Draussensein bei Kanutouren, Übernachtungen im Zelt, Lagerfeuer und lange Sommernächte. Ein Traum, den ich mit Fotoenthusiasten und Naturfreunden teilen wollte – und den ich vergangenen Juni mit den ersten drei Abenteurern zum allerersten Mal verwirklichen konnte.
Frühstück
Zu lachen gab es jeweils genug… Die sogenannten „Distracting Objects“ können richtig platziert gar nicht mehr so distracting sein.
Jede meiner Durchführungen startet am Tag nach der Ankunft mit einem kurzen Theorieblock zum Belichtungsdreieck: Blende, Verschlusszeit und ISO. Mein Ziel – oder besser gesagt mein Wunsch – ist es, dass alle Teilnehmer ihre Kamera danach komplett im manuellen Modus bedienen können. Der Grund dafür ist einfach: Wenn du selbst bestimmst, mit welchen Einstellungen dein Bild entsteht, macht das Fotografieren gleich doppelt so viel Spass.
Unscharfe Bilder durch eine zu lange Verschlusszeit oder unnötiges Rauschen durch zu hohe ISO-Werte – obwohl das Licht eigentlich gut gewesen wäre – gehören so schon nach dem ersten Praxistag der Vergangenheit an. Um das Gelernte direkt anzuwenden, sind wir jeden Tag an neuen Orten unterwegs, die unzählige Motive bieten: von feinen Details bis hin zu weiten Panoramen über die Landschaft Schwedisch-Lapplands.
Einstellungen prüfen
Nebst der Theorie zum Belichtungsdreieck nehmen wir auch Einstellungen an den Kameras vor und stellen sicher, dass jeder Teilnehmer Adobe Lightroom oder Capture One auf dem Macbook oder Laptop installiert hat, damit wir im Nachgang die Bildbearbeitung vornehmen können.
Etienne mit dem Blick für das Grosse Ganze hier auf dem Akkanålke.
Michael mag Details und hatte nebst dem Nikkor 70-200 2.8 auch das 105 2.8 Makro dabei.
Tobias im Element
Rentiere flüchten schnell, wenn man aus dem Auto steigt. Daher lassen wir die Fenster herunter und fotografieren direkt aus dem Wagen.
Erwischt!
Tobias hat mit seiner Sony dieses Rentier perfekt erwischt. Sein Sony FE 200-600 5.6–6.3 Zoom-Objektiv sorgt für die tolle Unschärfe im Vor- und Hintergrund, während das junge Rentier knackig scharf abgebildet ist. Ein tolles Foto!
Etienne mit dem Nikkor 70-200 2.8
Da drei von vier mit Nikon Z Kameras unterwegs waren, konnten wir auch mal die Objektive tauschen. Etienne hat hier gleich beide Rentiere mit Blick in die Kamera erwischt. Cooler Shot!
Jeder Teilnehmer bringt seine eigenen Vorstellungen von einem guten Bild mit. Die einen haben bereits Erfahrung und schon Fotoreisen besucht, manche fotografieren am liebsten Tiere oder weitläufige Landschaften, während andere von botanischen Details oder abstrakten Strukturen begeistert sind.
Die technische Grundlage bleibt jedoch immer dieselbe. Welche Kombination aus Blende, Verschlusszeit und ISO-Wert im Moment die beste ist, schauen wir uns gemeinsam an – direkt beim Fotografieren draussen oder später bei der Bildbearbeitung in der warmen Stube. So kommt in dieser Woche jeder auf seine Kosten: mit starken Bildern, persönlichem Foto-Coaching und genau der richtigen Dosis Challenge, die ein solches Outdoor-Abenteuer mit sich bringt.
Für alle Fälle ausgerüstet
Ich muss für alle Fälle ausgerüstet sein. Reinigungstücher, Blasebalg und sogar ein Sensorreinigungs-Set sind immer mit dabei.
Foto: Etienne
Kannst du kurz anhalten?
Immer wieder halte ich das Auto an, damit fotografiert werden kann. An Sujets fehlt es hier definitiv nicht.
Einfach schön
Die menschenleeren Gebiete in der Natur zwischen Wald und Wasser – eine ganz typische Landschaft für Lappland.
Trollforsen - über Stock & über Stein
Trittsicherheit ist von Vorteil. Die Kamera umgehängt oder in der Hand – allzeit bereit zum Fotografieren.
Die ersten Tage liegen hinter uns und die bisherigen Aufnahmen wollen zwischendurch aussortiert werden. Welche Bilder sind die absoluten Favoriten? Welche können weg? Gar nicht so einfach bei dieser Fülle an guten Motiven.
Doch die nächsten zwei Tage schlagen ein neues Kapitel auf: Es geht aufs Kanu. Die Kamera-Akkus müssen geladen sein. Aber wie schützt man sein Equipment auf dem Wasser am besten? Und worauf gilt es beim Paddeln zu achten? All das besprechen wir vorab gemeinsam, sodass jeder schnell seine eigene, beste Routine findet.
Ready to go!
Los geht’s! 2 Tage, 30 Kilometer.
Die zweitätige Kanutour über insgesamt 30 Kilometer ist ganz klar das Highlight der Sommer- und Herbst-Durchführungen. Und ja: Paddeln ist körperlich anstrengend und bringt einen hin und wieder an die eigenen Grenzen. Doch nach einem fordernden und unvergesslichen Tag voller neuer Eindrücke ist die Übernachtung im warmen Schlafsack die reine Erholung.
Während die Zelte in Teams aufgebaut werden, bereite ich das Abendessen auf dem Gaskocher zu – und das Lagerfeuer rundet den Tag mit seinen knisternden Flammen perfekt ab.
Danke Camerastore Zürich!
Ein grosses Dankeschön geht an dieser Stelle an den Camerastore Zürich für den Support meines Projekts mit der Abgabe der analogen Kodak Einwegkameras. Jeder Teilnehmer hat zu Beginn eine bekommen, um Momente festzuhalten, ohne an irgendwelche Einstellungen denken zu müssen. Was wohl aus den Bildern geworden ist…? 😉
Schon beim Start hatten wir mit ordentlich Gegenwind zu kämpfen – und dementsprechend mit Wellen. Auch da gilt: Ruhe bewahren und einfach paddeln.
Die Strecke, die über verschiedene Seen und durch kleine, teils schilfbewachsene Flüsse führt, bietet praktisch nach jeder Wendung einen neuen Blick auf eine Landschaft, die noch vor kurzem ganz anders ausgesehen hat.
Die Kanus sind an Land und gesichert, die Zelte aufgestellt und das Feuer brennt… was will man mehr.
Am nächsten Morgen geht es früh raus: Zelt abbauen und Morgentoilette im Wald. Das wird nicht selten zu einem kleinen Wettlauf gegen die Zeit – denn Hose runter bedeutet für die Mücken freie Bahn! Es ist also äusserst ratsam, das Smartphone bei diesem Geschäft lieber in der Tasche zu lassen 😉
Der Nachmittag nach der Kanufahrt steht zur freien Verfügung. Zeit zum Ausruhen, Bilder sichten oder um mir etwas Wäsche zum Waschen zu geben. Wer Lust hat, zieht noch einmal zum Fischen los. Am Abend kommen wir wieder zum gemeinsamen Essen zusammen, bevor der letzte Tag bevorsteht: Ein Abstecher zum Polarkreis, ein Besuch im Sami Museum in Jokkmokk – ein bisschen Kultur gehört dazu – und schliesslich die Weiterfahrt zu den imposanten Storforsen.
Im Fokus
Immer wieder gab es relativ grosse Rentierherden zu sehen. Wenn wir ihnen zu nahe kommen, sind sie schnell weg. Ruhig bleiben, kaum bewegen und mit dem Teleobjektiv nah ranzoomen.
Beobachten & staunen
Es gibt Momente, in denen die Kamera auch ablenken kann. Nicht jeder Moment will eingefangen sein – manche möchte man einfach nur bestaunen..
Camouflage
Rentierbabies zwischen den Grossen.
Foto: Tobi
Das Gebiet rund um die Storforsen ist schlicht beeindruckend. Die gewaltigen Wassermassen, die hier an einem vorbeirauschen, sind absolut gigantisch. Direkt im Waldstück dahinter zeigt sich die Natur von ihrer sanfteren Seite: Unzählige kleine Flussläufe schlängeln sich über Steine durch das Grün, bevor sie sich wieder mit dem grossen Strom vereinen.
Michael und das Momentum
„Ich mag das 70-200er nicht“, sagte er zu Beginn der Woche. „Das 70-200er ist schon sehr geil“, sagte er am Schluss der Woche.
Abende am Lagerfeuer
In Schwedisch-Lappland finden sich überall tolle Grillplätze. Man braucht lediglich Holz und, wie hier, ein Kilo Entrecôte, Knäckebrot und dazu auf dem Feuer in Butter gebratenen Spargel.
Das Draussensein in der Natur, das Beobachten von Tieren, die gemeinsamen Touren und der intensive Austausch über Fotografie und Outdoor-Themen sind für mich das Grösste. Ich liebe es, Gastgeber zu sein – morgens das Frühstück vorzubereiten und abends für alle zu kochen. Diese unvergesslichen Momente mit einer bunten Truppe zu teilen, die doch alle dieselbe Begeisterung suchen, erfüllt mich mit enormer Freude.
Meine langjährige Reise- und Outdoor-Erfahrung mit der Leidenschaft für Fotografie zu verbinden und dieses Wissen weiterzugeben – das ist für mich das Schönste überhaupt.
Danke!
Jungs, ich bin dankbar, dass ich diese erste Durchführung mit euch zusammen erleben durfte.
“Rentier, Kanutour und Surströmmig, im Wasser ist der Biber drin - Priis!”
Foto: Michael